Endlerzuchtformen

Spätestens seit dem Siegeszug der Nanoaquarien gehören Endlerguppys (Poecilia wingei)
zum Standardsortiment jedes besseren Fachgeschäfts.
Da sich die Endlerguppys unschwer mit dem normalen Guppy, P. reticulata,
kreuzen lassen, war es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Versuche unternommen wurden,
Farben, Muster und Formen auf den Endlerguppy zu übertragen.


Ich möchte zwei "Zuchtformen" unterscheiden:
Diejenigen, bei denen ausschließlich P. wingei miteinander verpaart werden
und es sich eher um Auslese (Selektion) handelt und diejenigen,
bei denen eine Kreuzung von P. wingei x P. reticulata durchgeführt wird.


Ziel der Verpaarung von Endlerguppys ist es, eine (oder mehrere) bereits vorhandene Eigenschaft stärker herauszuzüchten,
beispielsweise die Grünanteile der Körperfärbung unter Beibehaltung aller anderen endlertypischen Merkmale.
Unter der Bezeichnung "lime green" sind derartige Tiere mitunter zu finden, allerdings variieren die Grünanteile noch gewaltig
und großflächig oder gar durchgehend grüne Endlers sind (noch?) Mangelware.


Red Scarlet


Im Gegensatz dazu steht die Kreuzung eines Endlerguppymännchens mit einem P. reticulata-Weibchen.
Hierbei sollen bestimmte Merkmale der "normalen" Hochzuchtguppys auf P. wingei übertragen werden,
ohne dabei den Habitus der Endlerguppys zu verlieren.
Dies erfordert ein paar Grundkenntnisse der allgemeinen Vererbungslehre (die allerdings wirklich nicht schwer zu erlernen und zu begreifen sind!)
und das Wissen um die Vererbung der jeweiligen Merkmale (über das X-Chromosom oder autosomal, rezessiv oder dominant).
Und dann heißt es... warten und hoffen! Nicht alle Kreuzungsversuche gelingen auf Anhieb, aber das macht ja auch den Reiz der Endlerzucht aus!
Und die zweite oder dritte Generation überrascht dann umso positiver!


Tiger Endler


Die Endlerguppy(hoch)zucht ist für mich in den beiden geschilderten Varianten ein noch weitgehend unbeackertes und vor allem noch wenig dokumentiertes Feld.
Mit anderen Worten: Wer Freude daran hat, sich etwas mit Genetik zu beschäftigen und wer sich Neugierde und Kreativität bewahrt hat,
sollte sich mit dem Thema Endlerguppyhochzucht näher beschäftigen. Die DGLZ hat im Jahre 2009 das erste Endler-Championat ins Leben gerufen
und hierzu auch einen Standard entwickelt, der einerseits eine gute Orientierung bietet, andererseits aber,
im Gegensatz zum Standard für die Guppyhochzucht, in den nächsten Jahren bestimmt noch den Entwicklungen der Endlerguppyzuchtformen angepasst werden muss.
Es ist noch vieles auszuprobieren und zu entdecken - seien Sie mit dabei!


Fotos:
Scarletendler - W. Kochsiek
Tigerendler - H. Hieronimus