Hemiramphidae

Die Halbschnäbler


Halbschnäbler bewohnen den oberflächennahen Bereich des Wassers

und sind an ihrer charakteristischen, gestreckten Form mit der lang gezogenen Schnauze leicht zu erkennen.

Ihr Name bezieht sich auf die Tatsache, dass der Unterkiefer der Tiere meist deutlich länger als ihr Oberkiefer ist.


Es gibt in zwölf Gattungen mehr als 100 Arten von Halbschnäblern,

von denen allerdings die überwiegende Zahl im Meer und im Brackwasser lebt.

Einige das Meer bewohnende Arten haben sehr schmackhaftes Fleisch

und werden als Speisefische genutzt, aquaristisch relevant sind hingegen

lediglich die klein bleibenden Süßwasserbewohner.

In der DGLZ beschäftigen wir uns vorwiegend mit den lebendgebärenden Arten der Gattungen Dermogenys,

Nomorhamphus und Hemiramphodon aus Südostasien. Von diesen Gattungen sind auch gelegentlich einige Arten im Handel zu finden.


Hemirhamphodon pogonognathus


Die drei lebendgebärenden Gattungen lassen sich wie folgt grob unterscheiden:


Hemiramphodon besitzen einen vergleichsweise sehr dünnen,

lang gestreckten Körper und eine besonders lang gezogene Schnauze.

Diese beträgt oft ein Drittel der Körperlänge.
In Kopfnähe zeigt das Seitenlinienorgan der Arten dieser Gattung besonders große Poren.
Hemiramphodon tengah ist eierlegend, bei einigen weiteren Arten steht die Art der Vermehrung nicht zweifelsfrei fest.
Hemiramphodon scheinen eine eher moderate Wasserbewegung zu bevorzugen, während die
beiden anderen Gattungen eine stärkere Oberflächenströmung bevorzugen.


Nomorhamphus hingegen hat einen deutlich gedrungeneren Körper und eine wesentlich kürzere Schnauze.
Die Spitze des Unterkiefers besitzt eine fleischige Verdickung. Alle Arten der Gattung sind lebendgebärend.
Nomorhamphus halten sich oft auch im mittleren Bereich des Aquariums auf, Dermogenys und
Hemiramphodon sind hingegen deutlich oberflächenorientiert.


Die Arten der Gattung Dermogenys sind schlanker und lang gestreckter als die der Gattung Nomorhamphus;
ihr Unterkiefer überragt den Oberkiefer deutlich. Dermogenys pusilla ist in Deutschland derzeit wohl der am weitesten verbreitete Halbschnäbler.




Halbschnäbler benötigen ein Becken mit relativ großer Oberfläche
und ausreichendem Schwimmraum, die Aquarienhöhe ist dagegen eher unwichtig.
Sie können mit anderen Fischen problemlos vergesellschaftet werden,
lediglich untereinander sind Halbschnäbler zuweilen recht zänkisch.
Die Streitereien führen jedoch in der Regel nicht zu ernsthaften Verletzungen,
jedoch kann es vorkommen, dass ein Tier in der Eile der Flucht aus dem Becken herausspringt.
Eine Abdeckung des Aquariums ist also erforderlich. Das Hälterungsbecken sollte zudem Versteckmöglichkeiten
in Form einiger an der Oberfläche flutender Pflanzen besitzen.


Dermogenys pusilla


An die Wasserqualität werden keine besonderen Anforderungen gestellt,
eine Haltung bei Temperaturen um 25°C ist bei den meisten Arten möglich.
Allerdings vertragen die Tiere die plötzliche Änderung der Wasserparameter oft nur schlecht;
deshalb sollten keine sehr großen Wassermengen gewechselt werden. Regelmäßige, kleine Wasserwechsel sind die bessere Wahl.
Sauerstoffmangel (z.B. bei längerem Transport bei höheren Temperaturen) kann zu Verlusten führen.
Obwohl einige Arten in der Natur auch in Brackwasser vorkommen, ist eine Pflege in hartem Leitungswasser problemlos möglich.
Hemiramphodon-Arten sind an das Leben im weichen und sauren Wasser angepasst.


Einige Halter haben Halbschnäbler in den Sommermonaten bereits erfolgreich im Freiland gehalten,
Dermogenys pusilla verträgt hier auch kurzzeitig deutlich kühlere Temperaturen als die im allgemeinen angegebenen 22-28°C.
Werden Halbschnäbler artgerecht gehalten, steht einer Vermehrung nichts im Wege.


In der Natur ernähren sich Halbschnäbler vorwiegend von Anfluginsekten und oberflächennah lebenden Wassertieren.
Wird ihnen Insektennahrung in Form von Wiesenplankton und gezüchteten Drosophila angeboten,
vermehren sich Halbschnäbler in der Regel über mehrere Generationen problemlos.
Von besonderer Wichtigkeit für die erfolgreiche Pflege scheint die ausreichende Versorgung mit Vitamin D zu sein.
Auch das übliche Lebendfutter wie Daphnien und Mückenlarven wird angenommen. Viele Tiere akzeptieren ebenfalls Flockenfutter,
doch sollte dieses niemals ausschließlich und dauerhaft gegeben werden. Allerdings ist das Futter für die Tiere nur so lange interessant,
wie es noch nicht auf den Boden abgesunken ist, die meisten Halbschnäbler nehmen Futter nur von der Wasseroberfläche auf.


Ihr Markus Heußen