Wildformen

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Was sind "Wildformen"?

Fast jeder Aquarianer hat schon einmal Kontakt mit Fischen gehabt,
die lebende Junge gebären.
Besonders bekannt sind die Zuchtformen von Platy, Schwertträger, Guppy und Molly.
Es gibt aber im Süßwasser, also außerhalb der Meere, vier Familien mit annähernd 300 Arten von lebendgebärenden Fischen,
die sich für die Haltung im Liebhaberaquarium eignen.
Im Aquariengeschäft um die Ecke sind bestenfalls drei oder vier,
im gut sortierten Geschäft vielleicht auch einmal zehn dieser Arten zu erhalten.
Die Wildformenfreunde in der DGLZ beschäftigen sich mit den Arten lebendgebärender Fische,
die in der Natur vorkommen und für das Aquarium geeignet sind.
Sie versuchen, das natürliche Erscheinungsbild dieser Fische zu erhalten.
Auch bei der Arterhaltung durch Nachzucht kommt ihnen eine wichtige Rolle zu.
Ihnen verdanken wir, dass wir heute kaum noch auf Naturentnahmen angewiesen sind.
Längst werden in der DGLZ auch Arten gepflegt, die leider inzwischen in der
Natur nicht mehr oder nur noch in sehr geringer Anzahl vorkommen.
Das Spektrum ist viel weiter, als man gemeinhin glaubt, vom gut zwei Zentimeter kleinen Winzling,
bis hin zum über 30 cm groß werdenden Vierauge finden sich Lebendgebärende für jede Aquariengröße.
Aufgrund ihrer Größe und ihren Anforderungen sind sie für die Haltung in Liebhaberaquarien geeignet.
In ihrem weiten Verbreitungsgebiet besiedeln sie Süßgewässer aller Art,
einige Arten auch Brack- und sogar küstennahes Seewasser.

Welche Arten zählen zu den Wildformen lebendgebärender Aquarienfische?

Als lebendgebärende Aquarien- oder Zierfische werden Angehörige von vier unterschiedlichen Familien bezeichnet:
Lebendgebärende Zahnkarpfen, Hochlandkärpflinge, Vieraugenfische und Halbschnäbler.
Jede dieser Gruppen hat eine Möglichkeit gefunden, wie lebensfähige Jungfische geboren werden,
anstatt befruchtungsfähige Eier und Spermien ins Wasser abzugeben.
Bei alle Arten werden die Eier im Körper des Weibchens befruchtet,
die Männchen besitzen zu diesem Zweck eine zu
einem Begattungsorgan umgewandelte Afterflosse.
Bei vielen Arten ernähren die Weibchen die Jungfische im Mutterleib durch verschiedenste Anpassungen.
Die größte Gruppe stellen mit mehr als zwei Dutzend verschiedenen Gattungen und weit mehr als 200 Arten die Lebendgebärenden Zahnkarpfen.
Die kleinsten Lebendgebärenden Zahnkarpfen messen gerade mal 2-3 cm. Ihre Verbreitung erstreckt über die amerikanischen Kontinente, von den südlichen Vereinigten Staaten von Amerika bis ins südliche Südamerika. Durch den Menschen wurden einige Arten weltweit über alle Kontinente in subtropische und tropische Gebiete verbreitet, mit teils katastrophalen Folgen für die heimische Tierwelt.
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Die Hochlandkärpflinge mit über einem Dutzend Gattungen
und ca. 40 Arten sind in ihrer Verbreitung weitgehend
auf das Hochland von Mexiko beschränkt.
Gerade in dieser Gruppe ist das Überleben vieler Arten in der Natur stark gefährdet.
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Die ca. zehn Arten der Vieraugenfische aus den beiden Gattungen Vieraugenfische und Linienkärpflinge
stammen aus Mittel- und Südamerika.
Vieraugen der Gattung Anableps werden mit bis zu 30 cm Größe für viele Liebhaber zu groß,
sind aber in Schauaquarien regelmäßig zu sehen.
Die Vieraugen leben größtenteils im Brackwasser, in Meeresbuchten und Lagunen.
Das Auffälligste an ihnen sind die geteilten Augen (Name!).
Mit dem oberen Teil beobachten sie das Geschehen über und mit dem unteren Teil das Geschehen unter Wasser.
Zu den lebendgebärenden Halbschnäblern zählen zurzeit drei Gattungen mit über 30 Arten aus Südostasien.
Mit ihrem schlanken, hechtartigen Körper und dem bei vielen Arten stark verlängerten Unterkiefer unterscheiden
sie sich in ihrem Aussehen deutlich von den anderen lebend gebärenden Aquarienfischen.
Ihre nächsten Verwandten sind Eier legende Meeresfische.

Warum Wildformen pflegen?

Die Wildformenfreunde der DGLZ versuchen, möglichst viele Arten zu pflegen und im Aquarium zu erhalten.
Dabei wird im Gegensatz zu den Zuchtformenfreunden versucht, das Aussehen und
die Erbanlagen der Fische in den Aquarien möglichst wenig zu verändern.

Viele Wildformen haben zwar nicht die Farbenpracht der Zuchtformen
es gibt aber für die Pflege und Vermehrung der Wildformen andere Gründe:
  • Zunächst ist es einfach eine entspannende, den Alltag ausgleichende Tätigkeit,
    die Wildformen ohne weitere Ambitionen in den Aquarien zu betrachten.
    Viele Menschen haben für ihr Hobby im Laufe des Jahres unterschiedlich viel Zeit.
    Eine optimale Pflege von Wildformen ist dabei aber eher möglich als die der meisten anderen Tierarten.
  • Die Lebendgebärenden sind für Aquarianer mit unterschiedlichsten Interessen und
    Zeitfonds geeignete Objekte für zahlreiche Beobachtungs- und Untersuchungsmöglichkeiten:
    In den „normalen“ Fragen der Haltung und des Verhaltens gibt es noch so viel zu
    klären, dass jeder, der sich auch nur ansatzweise dazu berufen fühlt,
    ein weites Betätigungsfeld vorfindet.
    Durch einen Beitrag in der DGLZ-Rundschau können die eigenen Beobachtungen und Erfahrungen anderen
    Mitgliedern zugänglich gemacht werden.
  • Die ersten Arten Lebendgebärender Zahnkarpfen sind bereits ausgestorben.
    In den nächsten Jahren ist leider verstärkt damit zu rechnen,
    weil weitere Biotope zunehmend verschwinden.
    Schon heute werden in Aquarien der DGLZ-Mitglieder Arten gehalten,
    die in der Natur bereits ausgestorben sind.
    Die Arterhaltung sollte deshalb zumindest in den Aquarien gesichert werden,
    allerdings wäre natürlich der Erhalt der natürlichen Biotope wesentlichbesser!
    Zahlreiche Arten sind noch problematisch bezüglich ihrer Bestandssicherung in den Aquarien.
    Für eine effektive Erhaltung möglichst vieler Arten ist eine enge
    Zusammenarbeit mit in- und ausländischen Aquarianern vorteilhaft,
    wenn nicht sogar unabdingbar.
  • Exkursionen von interessierten Aquarianern in die natürlichen Biotope sind besondere Höhepunkte.
    Jedes Jahr reisen Mitglieder der DGLZ in die Ursprungsländer dieser Fische,
    um die natürlichen Lebensumstände zu erforschen und auch neue Arten mitzubringen.
    Viele der wissenschaftlichen Neubeschreibungen der letzten Jahre sind Mitgliedern der DGLZ zu verdanken.
    Auch hier zeigt sich, dass die so genannten Amateure eine für die
    Wissenschaft fast unentbehrliche Hilfe sind, ein Umstand,
    der inzwischen auch von vielen Wissenschaftlern,
    die gerne mit uns zusammenarbeiten, gebührend gewürdigt wird.
Ihr Wildformenobmann
Christian Reusch
Fotos: Andreas Werth, Elke Weiand