Goodeidae

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Goodeiden - Hochlandkärpflinge

Die Goodeiden sind eine recht kleine Fischfamilie mit rund 40 Arten,
die das mexikanische Hochland und seine pazifischen Abflüsse zwischen 17° und 23° nördliche Breite bewohnen.
Diesem Umstand haben sie auch ihren deutschen Namen "Hochlandkärpflinge" zu verdanken.
Im Laufe der Evolution haben sich die Goodeiden an verschiedene Biotoptypen angepasst;
man findet Vertreter der Hochlandkärpflinge in Seen und
Teichen, in Flüssen und Gräben, aber auch in felsigen, schnell fließenden Gebirgsbächen.
Ihre Körperform lässt Rückschlüsse auf die besiedelten Habitate zu:
So bewohnen beispielsweise die torpedoförmigen Arten der Gattung Allodontichthys vorwiegend Gebirgsbäche,
die eher hochrückigen Skiffia hingegen sind in Gewässern mit geringer oder fehlender Strömung anzutreffen.
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Obwohl verschiedenartige Habitate besiedelt werden,
sind die Wasserparameter doch recht einheitlich:
Der pH-Wert der Fundorte bewegt sich vorwiegend im alkalischen Bereich zwischen 7 und 8,
nur an wenigen Fundorten sinkt er etwas unter den Neutralwert.
Die Wasserhärte spielt bei der Aquarienhaltung von Goodeiden in der Regel nur eine
untergeordnete Rolle, sie liegt in den natürlichen Habitaten vorwiegend
im weichen bis mittleren Bereich.
Anders als bei den bekannten Aquarienfischen der Tropen unterliegt die Temperatur in den meisten
Habitaten der Goodeiden recht deutlich ausgeprägten tages- und
jahreszeitlichen Schwan-kungen.

Hochlandkärpflinge im Aquarium

Werden diese Punkte berücksichtigt, ist die Haltung der Fische im Aquarium nicht schwer.
Eine besondere Anfälligkeit gegenüber Krankheiten ist bei Goodeiden nicht zu erkennen.
Allerdings kann die Pflege ausgesprochener "Kühlwasserfische",
zu denen die meisten Arten der Hochandkärpflinge gehören,
bei zu hohen Temperaturen leicht zu Verlusten führen.
Diese können bei manchen Arten schon bei einer dauerhaften Haltung über 24 °C auftreten,
aber auch bei geeigneter Temperatur werden wiederholt auftretende Temperaturspitzen über 28 °C oft schlecht vertragen.
Die meisten Arten der Höchlandkärpflinge sollten daher ohne Heizung gepflegt werden
und sind somit zur Vergesellschaftung mit Wärme liebenden tropischen Arten ungeeignet.
Einige Goodeidenhalter schwören auf die Unterbringung der Fische im Sommer in Gartenteichen
und berichten von besonders vitalen und farbenprächtigen Tieren infolge dieser Haltung.
Um eine optimale Entwicklung der Hochlandkärpflinge zu gewährleisten,
sollten die Tiere (von wenigen Ausnahmen abgesehen) kühl überwintert werden.
Hierzu sollte die Hälterungstemperatur für die Dauer von zwei bis drei Monaten auf rund 15 - 17 °C gesenkt werden.
Viele Goodeiden können miteinander vergesellschaftet werden.
Bei der Haltung im Gesellschaftsbecken muss jedoch berücksichtigt werden,
dass die Verpaarung einiger Arten zu fruchtbaren Nachkommen führt.
Da sich Fundortvarianten verschiedener Arten morphologisch unterscheiden und
auch die Artzugehörigkeit mancher Populationen noch nicht abschließend geklärt ist,
sollten bei diesen Arten Tiere verschiedener Fundorte ebenfalls separat gehalten werden.
So kann die ungewollte Hybridisierung der Aquarienpopulationen dieser seltenen und gefährdeten Fische vermieden werden,
im Zweifelsfall ist der Haltung im Artbecken immer der Vorzug zu geben.
Die Ernährung der Tiere bereitet meist keine Probleme,
es werden die üblichen Lebend-, Frost- und Trockenfuttermittel gefressen.
Von verschiedenen Autoren wurde über die Agressivität einiger Hochlandkärpflinge berichtet,
bei ausreichend großen, versteckreich eingerichteten Hälterungsbecken hält sich diese allerdings in Grenzen.
Hier kommen dann auch bei Arten, die ihren Jungen nachstellen, in der Regel auch immer ein paar Jungfische hoch.
Ausführliche Informationen zu den Bedürfnissen der einzelnen Arten lassen sich im Internet leicht finden,
eine sehr informative Website zu diesem Thema ist www.goodeiden.de.

Hochlandkärpflinge sind eher klein bleibende Fische, die meisten Arten bleiben unter 10 cm Körperlänge.
Die Geschlechter sind bei den meisten Arten gut zu unterscheiden:
Die Männchen sind meist prächtiger gefärbt; sie bleiben in der Regel kleiner als die Weibchen.

Das auffälligste Erkennungsmerkmal der Hochlandkärpflinge
ist die zu einem Begattungsorgan umgewandelte Afterflosse der Männchen.
Im Unterschied zu den Lebendgebärenden Zahnkarpfen sind hier lediglich die ersten vier bis sieben Flossenstrahlen verkürzt,
leicht verdickt und näher aneinander gerückt.
Mit einer mehr oder weniger deutlichen Einkerbung ist dieses Gonopodium vom Rest der Afterflosse abgetrennt.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung der Hochlandkärpflinge verdient besonderes Interesse,
da sich bei diesen Tieren eine besondere Form der Ernährung der Embryonen entwickelt hat.
Im Gegensatz zu den anderen Lebendgebärenden besitzen die Hochlandkärpflinge keine Vorratsbefruchtung,
so dass jedem Wurf eine erneute Begattung durch das Männchen vorangehen muss.
Hierzu bildet das Männchen mit seinem Gonopodium eine Art Rutsche,
mit der die Samenpakete an die Geschlechtsöffnung des Weibchens transportiert werden.
Am Ansatz des Gonopodiums befindet sich dazu ein kleiner Muskel,
mit dem die Spermien (bei den Lebendgebärenden Zahnkarpfen sind dies übrigens Spermienpakete, die übertragen werden)
über die Rutsche in die Geschlechtsöffnung des Weibchens geschleudert.
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Schon nach wenigen Tagen schlüpfen die Embryos aus der Eihülle.
Da die Eier nicht sehr dotterreich sind, muss die Nährstoffversorgung im
Mutterleib auf andere Weise gewährleistet sein.
Die Embryonen entwickeln aus Darmzellen im Bereich des Afters Nährschnüre,
die sich an die Wand des Ovars anlegen und über die ein Nährstofftransport
aus dem Mutterleib in den Jungfisch stattfindet.
Bei den meisten Goodeien sind diese Trophotaenien noch einige Stunden nach der Geburt am Jungfisch zu erkennen.
Einzige Ausnahme ist Ataeniobius toweri, bei denen die interne Ernährung nicht durch Trophotaenien,
sondern durch eine durchlässige Darmhaut erfolgt.
Die Jungen schlüpfen, von Art zu Art verschieden,
aber auch abhängig von Temperatur und Nahrungsangebot,
nach knapp drei Wochen bis zu mehr als zwei Monaten,
wobei sechs bis acht Wochen normal sind.

Gefährdung

Da viele Goodeiden-Arten in ihrer Heimatnur in ausgesprochen kleinen Habitaten vorkommen,
ist ihr Vorkommen durch anthropogene Einflüsse vielerorts gefährdet.
Einige Arten und Fundortvarianten gelten bereits als ausgestorben,
andere sind vom Aussterben bedroht.
Durch die wachsende Bevölkerungszahl und die zunehmende Industrialisierung Mexikos
entsteht ein höherer Wasserbedarf bei gleichzeitig zunehmender Verschmutzung der Gewässer.
Zudem wurden in vielen Gewässern Speisefische ausgesetzt,
welche einerseits den Bestand der zumeist kleineren Hochlandkärpflinge dezimieren
und andererseits als Nahrungskonkurrenten auftreten.
Eine noch größere Bedrohung der endemischen Arten scheinen ausgesetzte Zierfische,
hier vor allem der Guppy, Poecilia reticulata, darzustellen.
Diese Tiere verdrängen nicht allein durch ihre hohe Nachkommenzahl
und hohe Anpassungsfähigkeit endemische Arten:
Im Falle von Skiffia bilineata wurde bereits vom Rückgang einer Population
infolge sexueller Bedrängung durch ausgesetzte Guppymännchen berichtet.

Die taxonomische Stellung der Hochlandkärpflinge ist umstritten,
auch die Gattungszugehörigkeit mancher Arten
und die Artzugehörigkeit mancher Fundortvarianten ist noch nicht endgültig gesichert.
Zudem sind viele Aspekte des Verhaltens einiger Arten noch nicht eingehend untersucht.
Somit bieten gerade die Hochlandkärpflinge sowohl dem Aquarianer als
auch dem Wissenschaftler noch ein weites Feld interessanter Betätigungsmöglichkeiten.



Markus Heußen