Xiphophorus pygmaeus

Von Volker Diekmann

Als kleinster Vertreter der Gattung finden die Zwergschwertträger heute
schon mehr Beachtung als manch andere Vertreter der Gattung Xiphophorus.
In der heutigen Zeit haben es die Wildformen der Schwertträger schon
schwer, sich gegen die farbintensiven Zuchtformen durchzusetzen, aber
ich finde, auch diese kleine Art hat interessante Seiten und auch ein
schönes und differenziertes Farbspiel anzubieten. Man muss sich nur
Zeit nehmen, es zu entdecken.

Die Art Xiphophorus pygmaeus ist schon etwas
länger bekannt . Sie wurde bereits 1932 entdeckt und dann 1943 von Hubbs
& Gordon beschrieben. Der Zwergschwertträger hat seinen Fundort in
Mexiko, auf der Golfseite. X. pygmaeus ist in
einem relativ beschränkten Gebiet rund um den Rio Axtla beheimatet und
somit der Gruppe der nördlichen Schwertträger zuzurechnen.
Dieser Fluss ist ein besonders schnell fliessender Fluss, der aber nur
30-35 Meter breit ist (am Observationszeitpunkt 1980). Der Bodengrund
ist stark schlammig, mit einer dicken, grauen Mulmschicht, die nur von
einigen Steinblöcken und Geröll durchbrochen wird. Das südliche Ufer
wird durch eine grasbewachsene Wiesenlandschaft mit zahlreichen
Einbuchtungen gebildet und das nördliche Ufer besteht aus einer
bergigen, steil abfallenden Zone, die mit viel überhängendem Gebüsch und
anderer Vegetation überwachsen ist. Wasserpflanzen werden in diesem
Gebiet äußerst selten vorgefunden. Das Wasser ist leicht trüb und die
Temperatur betrug im Mai 22 °C. Der Pygmäenschwertträger kommt in seinen
Heimatgewässern zusammen mit Xiphophorus variatus, X. cortezi, P. sphenops, P. jonesi,
Gambusia aurora und Flexipenis vittatus vor. Diese Biotopbeschreibung stammt ursprünglich aus:
Lebendgebärende Zierfische, Mergus Verlag, von Manfred Meyer u.A.


Wir haben es hier mit der kleinsten Art der Gattung Xiphophorus zu tun.
Die Männchen haben eine Größe von 3,5 – 4 cm
und die Weibchen sind mit bis ca. 4,5 nur 1 cm größer. X. pygmaeus
hat als Männchen einen langgestreckten Körperbau, die Weibchen sind
eher bauchig. Die Unterseite ist hell, die Flossen sind sämtlich
durchsichtig.


Die Körperfarbe dieser Fische ist graubräunlich, leicht blass. Die
Bauchseite ist weiß. Längs über den ganzen Körper verläuft am Maul
beginnend, durch die Augen hindurch, mittig eine intensiv rotbraune
Zick-Zack-Linie, die an der Basis der Schwanzwurzel endet. Darunter, an
der Körperunterseite, befindet sich ein dunkler Strich, der von der
Bauchhöhle bis zur Schwanzwurzel verläuft. Oberhalb der Mittellinie ist
ebenfalls eine Zick-Zack-Linie sichtbar, die aber nur schemenhaft und
undeutlich und nicht durchgängig vorhanden ist.


Die Männchen zeigen in der Schwanzflosse das für viele Schwertträger
Arten typische Schwert, allerdings hat man es hier mit einem
Schwertansatz zu tun, der nur angedeutet und etwa 1-2 mm lang ist. Die
Rückenflosse der männlichen Tiere hat einen feinen schwarzen, quer
verlaufenden Strich (Kommaband), der von vorne nach hinten über die
Rückenflosse verläuft. Die Flosse ist abgerundet und hat eine schwarze

Umrandung.

Es gibt noch eine Besonderheit bei den Zwergschwertträgern. Die meisten

der heute in der DGLZ gehamir bekannten Stämme zeigen bei den

männlichen Tieren eine intensiv gelbliche Färbung. Ausschließlich

Männchen haben diese Färbung. Immer, wenn mir diese Fische über den Weg

laufen, bei Versteigerungen, bei Züchtern, wird immer betont, dass es

sich um die gelbe Variante handelt. Andere kenne ich gar nicht, so dass

ich mich langsam frage, ob es überhaupt noch eine andere Variante gibt

oder sie zurteit nicht in unseren Aquarien vorhanden ist, weil sie von

der „gelben“ Version verdrängt wurde.

Die Weibchen setzten etwa alle 26 bis 30 Tage ihre Jungen ab.

Die Wurfgrößen schwanken nach meinen Beobachtungen zwischen fünf und 14 Stück.

Würfe jenseits von zehn Jungtieren sind aber eher selten.

Gesunde ausgewachsene Muttertiere sind schön rund,

mit ausgeprägtem Bauch und einem sehr deutlich sichtbaren,

schwarzen sogenannten Trächtigkeitsfleck. Die Tiere stellen ihren Jungen kaum nach,

so dass in einem bepflanzen Aquarium ausreichend Nachwuchs aufwachsen kann.

Der interessierte Aquarianer sollte darauf achten, dass der Stamm nicht zu klein ist,

denn die Zucht funktioniert in vielen Fällen besser, wenn mindestens vier bis sechs Männchen zur Verfügung stehen,

ansonsten kann es passieren, dass die Muttertiere keinerlei Neigung zeigen, sich zu verpaaren.

Anscheinend benötigen die Weibchen einen kleinen Schwarm und das arttypische Umwerben von mehreren Männchen.

Wenn das gegeben ist und die Rahmenbedingungen stimmen, kann man sich über mangelnden Nachwuchs nicht beklagen.